St. Michaelis

Michaelisplatz 2, 31134 Hildesheim


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Hildesheim, St. Michael (2)
Hildesheim, St. Michael (c) Hildesheim Marketing, Nina Weymann-Schulz

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Als Schlüsselwerk mittelalterlicher Kunst ist St. Michaelis von Bischof Bernward von Hildesheim (1010-1022) erbaut worden. Als doppelchörige Basilika folgt sie einer strengen Symmetrie: Zwei Chöre (im Osten und Westen) ist je ein weit über die Seitenschiffe vorspringendes Querhaus vorgeschaltet. An den Giebelseiten folgen zwei schlanke Rundtürme, die mit gedrungenen Vierungstürmen kontrastieren. Im Langhaus wechseln sich vier Eckpfeiler mit paarweise gekoppelten Rundstützen mit eckigen Kapitellen ab – eine der erfolgreichsten Erfindungen der ottonischen und romanischen Kunst.

Seit 1985 ist St. Michael zusammen mit dem Mariendom UNESCO-Weltkulturerbe.
Vor allem die bemalten Stuckreliefs der Chorschranken (Ende 12. Jahrhundert), die breite bemalte Holzdecke (Anfang 13. Jahrhundert) und die außergewöhnlichen Werke der Gießkunst zählen zu ihren wichtigsten Ausstellungsstücken.

Im Jahr 993 ließ Bischof Bernward von Hildesheim nach seinem Amtsantritt auf dem Hügel nördlich der Domburg eine Kapelle errichten. Die Westkrypta dieser Kirche bestimmte Bernward zu seiner Grablege und nannte sie Michael, der „Totengeleites“. Die Weihung der Krypta fand am 29.September 1015 statt, dem Michaelistag. Im Jahr 1022 folgte dann die Teilweihung der Kirche. Bischof Bernward starb im November 1022 und wurde in der Krypta bestattet. Die Weihe der gesamten Kirche übernahm sein Nachfolger Bischof Godehard im Jahr 1033.

Das Zentrum befindet sich im Osten und theologischer Mittelpunkt war der Kreuzaltar, der jedoch nicht mehr erhalten ist. Auf diesem stand das Berwardkreuz mit der Kreuzreliquie, welches sich heute im Dommuseum befindet. Hinter dem Altar stand die Christussäule, die Bernward nach römischen Vorbild als Triumphsäule für das heilbringende und verehrungswürdige Heilige Kreuz gießen ließ. Auch die Christussäule ist heute im Dom zu besichtigen.

Als Klosterkirche gebaut, wurde sie nach der Heiligsprechung von Bernward im Jahr 1192 zu einem Ort, an dem zahlreiche Gläubiger am Grab des neuen Heiligen beten wollten. Aus diesem Grund wurden mehrere bauliche Maßnahmen vorgenommen, um diese Bestimmung zu erfüllen. Zwei Engelsschranken entstanden, von denen die nördliche noch erhalten ist, zudem prägen auch heute noch aufwändig und kunstvoll gestaltete Kapitelle neue Säulen im Innenschiff. Die zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstandene hölzerne (Eichenbretter) Flachdecke zeigt den Jessebaum, den Stammbaum Christi. Mit 27,6 m x 8,7 m ist sie ein einmaliges erhaltenes Kunstwerk des Mittelalters.

Durch die Reformation im Jahr 1543 wurde die Michaeliskirche evangelische Pfarrkirche. Auch der Bildersturm konnte hier nicht verhindert werden und es kam zur Zerstörung von Kunstwerken. Nach dem Abbruch der Ostapsis 1650 brach der gesamte östliche Vierungsturm ein. Deswegen riss man den westlichen Turm ebenfalls ab. Es folgte die Wiedererrichtung des östlichen Turmes 1679 im barocken Stil, der bis zum Zweiten Weltkrieg das Wahrzeichen der Kirche blieb.

Die Säkularisation im Jahr 1803 erzwang die Auflösung des Kloster, 1809 die Schließung der Kirche. In den folgenden Jahren wurde sie zum Heu- und Strohlager umfunktioniert. Nur die Unterkirche blieb Sakralraum und wurde der katholischen St. Magdalenengemeinde angeschlossen. Bis in die heutige Zeit ist die kleine Kapelle katholisch geblieben. In diesen Wirren kam auch die Christussäule in den Dom

1827 wurde im ehemaligen Kloster eine Heil- und Pflegeanstalt für geistig behinderte Menschen eingerichtet, durch den Abriss der Mauer des nördlichen Seitenschiffes wurde in der Kirche eine Kegelbahn aufgebaut. Nach der Rückgabe an die Kirchengemeinde fanden 1855-1857 umfassende Renovierungsarbeiten statt.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Heil- und Pflegeanstalt geschlossen und die SS zog mit ihrer Ausbildungsstätte „Haus Germania“ in das Klostergebäude ein. Pastor Degener konnte verhindern, dass die Kirche in eine nationalsozialistische Weihestätte umgewandelt wurde. Als die Kirche am 22. März 1945 komplett zerstört wurde, begann Pastor Kurt Degener am 4. Oktober 1945 mit dem Wiederaufbau. Bereits 1950 konnte das Langhaus wieder zum Gottesdienst geöffnet werden. Die gesamte Weihe fand schließlich 1960 statt.

Gedeutet wird St. Michael gern als Gottesburg, was durch die massiven Mauern und Türmen hervorgerufen wird. Treffender ist die jedoch der Begriff Gottesstadt, denn hier steht die Wohnung und die Gemeinschaft im Vordergrund und nicht der kriegerische Aspekt.

Auch heute noch ist die Kirche ein Ort der Hoffnung und des Gebetes, wozu die Kirche alle einlädt.

Als architektonisches Vorbild wird die Kirche bis zum Ende der Romanik vielfach genutzt, wie z.B. in der Basilika von Aquileia. Auch im 19. Jahrhundert wirkte sie vielen Kirchen als Modell, wie beispielsweise als idealisierte Kopie die Antoniusbasilika in Rheine.

Seit 2014 befindet sich die Michaeliskirche auf der 2-Euro-Gedenkmünze, die das Land Niedersachsen repräsentiert.

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